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Bundesgesundheitsminister Dr. Carsten Linnemann hat bei seinem ersten Besuch beim Deutschen Apothekertag in München den Vor-Ort-Apotheken große Bedeutung für die Gesellschaft und die Gesundheitsversorgung zugeschrieben. Seine teils ausgesprochen persönlichen Worte wirkten beinahe wie eine Liebeserklärung an die Apotheke vor Ort. Gleichzeitig setzte der Minister deutliche politische Akzente – bei der Vergütung, neuen Aufgaben für Apotheken, dem Versandhandel und Medizinalcannabis. Vieles davon sind allerdings zunächst Ankündigungen und politische Vorhaben.
Für Johannes Michael Schroeder, seit rund 20 Jahren Delegierter und ehrenamtlich für die Apothekerkammer Nordrhein aktiv, war es sogar das „beste Grußwort eines Ministers überhaupt“. Seit heute beraten 27 Delegierte der Apothekerkammer Nordrhein gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus dem gesamten Bundesgebiet die Anträge deswill Deutschen Apothekertages 2026 in München.
Dass Linnemann überhaupt vor Ort war, setzte dabei ein bemerkenswertes Zeichen: Der neue Bundesgesundheitsminister kam unmittelbar nach seinem Amtsantritt zum Deutschen Apothekertag. Sein Vor-Vorgänger Karl Lauterbach hatte den DAT während seiner Amtszeit dagegen nie persönlich besucht.
„Die Innenstädte werden bereichert durch Apotheken“, sagte Linnemann zu Beginn seines Auftritts. Er betonte die besondere Verwurzelung inhabergeführter Apotheken und ihre Rolle als Teil des Mittelstands und des gesellschaftlichen Lebens vor Ort. Mit Blick auf das Engagement für Vereine, Schulen und die eigene Region sagte er: „Sie haben Deutschland lebenslänglich gebucht.“
Auch persönlich begründete der Minister seine Nähe zur Apotheke vor Ort. Er erinnerte an seine Kindheit in Paderborn und die Buchhandlung seiner Eltern, von der aus er als Jugendlicher unter anderem Botengänge zur Apotheke erledigte.
Die Wertschätzung kam bei den Delegierten gut an. Entscheidend wird nun allerdings sein, was aus den politischen Signalen konkret wird.
Linnemann verwies auf den Rückgang der Apothekenzahl von rund 21.500 im Jahr 2010 auf inzwischen etwa 16.500 Betriebsstätten. Als Gründe nannte er unter anderem die wirtschaftliche Situation kleiner Apotheken, gestiegene Kosten und den Fachkräftemangel.
Die bereits beschlossene Anhebung des Apothekenfixums bezeichnete er als wichtigen Schritt. Das Packungsfixum steigt zum 1. Januar 2027 auf 9,50 Euro. Auch die Dynamisierung der Vergütung durch die Verhandlungslösung ist bereits beschlossene Sache.
Wie sich das Honorar weiterentwickeln wird, bleibt jedoch abzuwarten. Gleiches gilt für Linnemanns Pläne, Apotheken stärker in die Primärversorgung, Prävention und Notfallversorgung einzubinden.
Deutlich positionierte sich Linnemann beim Wettbewerb mit ausländischen Versandapotheken. Es dürfe aus seiner Sicht keine unterschiedlichen Wettbewerbsbedingungen geben. „Für mich sind das unzulässige Wettbewerbsverzerrungen.“
Er wolle keinen Gegensatz zwischen Online- und Vor-Ort-Apotheken schaffen, sondern ein „Level Playing Field“.
Kritisch äußerte sich Linnemann zudem zur Entwicklung beim Medizinalcannabis. Die Importe von Cannabisblüten seien von rund 30 Tonnen im Jahr 2023 auf eine erwartete Größenordnung von 300 Tonnen im Jahr 2026 gestiegen.
Besonders problematisch sieht der Minister Geschäftsmodelle mit ausländischen Telemedizinplattformen, bei denen Cannabis nach einem Fragebogen und ohne persönlichen Arztkontakt auf Privatrezept verordnet wird. „So jedenfalls darf es nicht weitergehen“, sagte Linnemann und kündigte Änderungen an.
Auch hier stehen den Ankündigungen nun konkrete politische Entscheidungen und gesetzgeberische Schritte gegenüber.
Zum Abschluss forderte Linnemann die Delegierten ausdrücklich auf, auch künftig kritisch mit ihm umzugehen. Er wolle einen offenen und konstruktiven Austausch und kündigte an, auch im kommenden Jahr wieder zum Deutschen Apothekertag kommen zu wollen.
Sein erster DAT-Auftritt brachte damit viel Wertschätzung für die Vor-Ort-Apotheke und zahlreiche politische Signale.
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