Zinslose KfW-Kredite und planmäßige September-Abrechnung sind erforderlich, um Arzneimittel-versorgung nicht zu gefährden

Düsseldorf, 30.09.2020. Die Insolvenz der AvP Deutschland GmbH nimmt für Inhaberinnen und Inhaber von Apotheken existenzbedrohliche Züge an. Die Versorgung der Menschen mit Arzneimitteln darf darunter keinesfalls leiden, doch genau diese Gefahr zeichnet sich ab. Darum spricht sich die Apotheker-kammer Nordrhein für zinsfreie Überbrückungskredite der KfW aus und fordert die gesetzlichen Krankenkassen zur pünktlichen und vollständigen Zahlung der Rezeptabrechnungen für September auf. „Nur so können wir Versorgungslücken vermeiden und betroffene Apotheken nachhaltig unterstützen“, sagt Dr. Armin Hoffmann, Präsident der Apothekerkammer Nordrhein.

Derzeit sehen sich 20 Prozent der Apotheken mit einer teils existenzbedrohlichen Situation konfrontiert. Weil eine direkte Abrechnung von Rezepten mit Kranken-kassen praktisch unmöglich ist, sind sie de facto gezwungen mit einem Anbieter wie AvP zusammen zu arbeiten. Wegen der Komplexität sozialrechtlicher Vor-gaben kommen Apotheken de facto nur über einen solchen Dienstleister an ihr Geld. Zugleich müssen Apothekerinnen und Apotheker ihr Warenlager vorfinan-zieren und sind darauf angewiesen, dass die sich anschließenden Abrechnungen gegenüber den gesetzlichen Krankenkassen schnell erfolgen und pünktlich be-zahlt werden. Nur so können sie ihren Verpflichtungen gegenüber dem pharma-zeutischen Großhandel und der Industrie nachkommen.

Durch die Insolvenz sind nun wohl zwischen 250 und rund 300 Mio. Euro auf AvP-Konten eingefroren, bis sehr komplexe rechtliche Fragen geklärt sind; das kann Jahre dauern. Dieses Verfahren setzt die betroffenen Apotheken einem existenziellen Risiko aus, da sie schlicht nicht in der Lage sind, die Beträge, die nun eingefroren sind, für die Dauer des Verfahrens vorzufinanzieren.

Die Sicherstellung der Arzneimittelversorgung der Bevölkerung erfolgt nach § 1 Abs. 1 Apothekengesetz im öffentlichen Interesse. Apothekerinnen und Apo-theker nehmen hier Aufgaben des Staates wahr, sind aber zugleich auch in der Regel als Kaufleute persönlich und unbegrenzt haf-tend. Nun haften sie für Ver-säumnisse, die andernorts entstanden sind. „Das A und O ist die Liquidität im Bereich der lückenlosen Versorgung der Menschen mit Arzneimitteln. Sie ist nötig, damit Apothekerinnen und Apotheker ihren staatlich übertragenen Gemeinwohlauftrag weiterhin erfüllen können“, erklärt Dr. Armin Hoffmann.

VKathrin Luboldt, Vizepräsidentin der AKNR ergänzt: „Die Verzweiflung bei den Kolleginnen und Kollegen ist riesengroß. Sie sind absolut unverschuldet in diese Lage geraten und nun gezwungen, Kredite aufzunehmen, die viele eigentlich gar nicht wollen. Es geht teils um sehr hohe Summen, die kaum jemand auf der Seite liegen hat. Da sind viele Frauen und Männer, Fami-lienväter und vor allem auch viele Mütter ohne eigenes Fehlverhalten in eine dramatische Situation gekom-men. Deshalb sind zinsfreie Kredite so wichtig, um die Versorgung der Menschen mit Arzneimitteln nicht zu gefährden.“ Es gilt, kurzfristig die Liquidität der Apotheken bis zum Abschluss des Insolvenzverfahrens unbürokratisch zu gewährleisten.

 

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