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Pharmazeuten im Praktikum (PhiP) - Leitfaden der Bundesapothekerkammer

Sehr geehrte Frau Kollegin,
sehr geehrter Herr Kollege,

mit diesem Leitfaden möchten wir Sie bei der Ausbildung und Betreuung von Pharmazeuten im Praktikum unterstützen. Es ist eine verantwortungsvolle Aufgabe, den Berufsnachwuchs zu fördern und ihm damit den Weg ins Berufsleben zu ebnen.

Durch das Pharmaziestudium sind unsere angehenden Kolleginnen und Kollegen wissenschaftlich auf dem aktuellen Stand. Darüber hinaus sind die Pharmazeut(inn)en im Praktikum in Klinischer Pharmazie bestens geschult. Nun stehen sie erstmals vor der Aufgabe, ihr Wissen und ihre Kompetenz im Umgang mit den Patienten und Kunden der Apotheke, aber auch im Austausch mit niedergelassenen Ärzten anzuwenden.

Ihre Aufgabe als Betreuer und Ausbilder ist es, Vorbild zu sein durch kollegiale Gespräche und gezielte Anregungen – auch zum Selbststudium – die Entwicklung der Pharmazeut(inn)en im Praktikum zu verantwortungsvollen, kollegialen und berufsethisch orientierten Apothekern zu fördern.

Wir danken Ihnen für die Bereitschaft, sich in der Ausbildung unseres Berufsnachwuchses zu engagieren und wünschen Ihnen dabei viel Erfolg!

Ihre Apothekerkammer Nordrhein

Die zwölfmonatige praktische Ausbildung zum Apotheker ist in § 4 der Approbationsordnung geregelt. Demnach müssen sechs Monate der praktischen Ausbildung in einer öffentlichen Apotheke abgeleistet werden. Die verbleibenden sechs Monate können wahlweise in einer öffentlichen Apotheke, einer Krankenhaus- oder Bundeswehrapotheke (davon bis zu drei Monate auch auf einer Station der jeweiligen Einrichtung), der Industrie, an Universitäts- oder geeigneten Bundeswehrinstituten oder in einer Arzneimitteluntersuchungsstelle verbracht werden.

Die Ausbildung ist ganztägig abzuleisten. Die Pharmazeut(inn)en sind entsprechend ihrer Kenntnisse und Fertigkeiten unter Aufsicht eines Apothekers in den betrieblichen Ablauf zu integrieren. Dazu haben wir Ihnen im nächsten Kapitel einen Vorschlag ausgearbeitet, wie ein solches Praktikum aussehen könnte.

Zusätzlich zum Praktikum werden die Pharmazeut(inn)en im Praktikum während der begleitenden Unterrichtsveranstaltungen der Apothekerkammer Nordrhein ausgebildet. Für die Teilnahme an diesen Unterrichtsveranstaltungen sind die Pharmazeut(inn)en im Praktikum freizustellen. Die Zeit gilt als Arbeitszeit und ist entsprechend zu vergüten.

Während des Praktikums darf die Ausbildung bis zu den im Bundesrahmentarifvertrag festgelegten Urlaubsanspruch unterbrochen werden. Fehlzeiten, die darüber hinaus anfallen, z. B. durch Krankheit, führen in Abstimmung mit dem Landesprüfungsamt zu einer Verlängerung des Praktikums.

Über die abgeleistete Praktikumszeit erhält die Pharmazeutin im Praktikum oder der Pharmazeut im Praktikum die „Bescheinigung über die praktische Ausbildung“ gemäß Anlage 5 der Approbationsordnung.

Der BAK-Leitfaden "Praktische Ausbildung von Pharmazeuten im Praktikum (PhiP) in der Apotheke" bietet mit einem Musterausbildungsplan und Arbeitsbögen zu vielen praxisrelevanten Themen und Prozessen in der öffentlichen Apotheke eine sehr gute Hilfestellung und Orientierung für den ausbildenden Apotheker und den PhiP. Die Arbeitsbögen sind zur strukturierten und vertiefenden Bearbeitung für den PhiP gedacht.

Musterausbildungsplan

Der Musterausbildungsplan ist eine Empfehlung für die zeitliche und inhaltliche Strukturierung der praktischen Ausbildung in der Apotheke. Er ist auf sechs Monate ausgelegt, kann aber auch auf zwölf Monate angewendet werden. Die Ausbildungsinhalte werden in die Themenbereiche

  • „Warenwirtschaft/Apothekenbetrieb“,

  • „Prüfung und Herstellung“ und

  • „Information und Beratung“

eingeteilt. Sie bauen aufeinander auf und sind kompetenzorientiert formuliert, d.h. es werden die zu erlangenden beruflichen Handlungskompetenzen beschrieben.

Im Musterausbildungsplan können die Ansprechpartner des PhiP für die unterschiedlichen Ausbildungsbereiche sowie die vermittelten Inhalte vermerkt werden. Je nach Ausbildungsstand werden die Arbeitsbögen genannt, deren Bearbeitung zum entsprechenden Zeitpunkt sinnvoll erscheint. Zudem kann das empfohlene monatliche Fachgespräch stichpunktartig festgehalten werden.

Arbeitsbögen

Ergänzt wird der Musterausbildungsplan durch die Arbeitsbögen, aufgrund derer sich der PhiP eigenständig mit insgesamt 27 verschiedenen praxisrelevanten Themen in der Apotheke vertiefend beschäftigen kann. Sie beruhen - soweit vorhanden - auf den Leitlinien, Arbeitshilfen und Leitfäden der Bundesapothekerkammer bzw. ABDA-Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände. Die Arbeitsbögen werden jährlich zum Stichtag 1. Juni aktualisiert und auf der ABDA-Homepage veröffentlicht.

Die Bearbeitung der einzelnen Themen soll während der Arbeitszeit des PhiP in der Apotheke ermöglicht werden. Empfehlungen über die zu bearbeitenden Arbeitsbögen werden nach Ausbildungsmonat im Musterausbildungsplan aufgeführt. Diese können jedoch an die Gegebenheiten in der Ausbildungsapotheke angepasst bzw. je nach den individuellen Kompetenzen des PhiP variiert werden.

Die Arbeitsbögen können auch mehrfach mit verschiedenen Beispielen ausgefüllt werden. Dabei müssen die einzelnen Fragestellungen in den Arbeitsbögen nicht immer vollständig bearbeitet werden. Neben der Aufführung von praktisch vorkommenden Beispielen, können die Bögen auch auf Grundlage von theoretisch denkbaren Fällen verwendet werden. Im Anschluss an die Bearbeitung sollte der ausbildende Apotheker die Arbeitsbögen zeitnah kontrollieren und anschließend mit dem PhiP auswerten. Die gebündelten Arbeitsbögen können in ihrer Gesamtheit zur Vorbereitung auf den Dritten Abschnitt der Pharmazeutischen Prüfung dienen. Beim Umgang mit den Arbeitsbögen ist der Datenschutz zu beachten - weiterführende Hinweise finden sich an entsprechender Stelle.

Evaluationsbögen

Der Leitfaden ist ein Novum im Rahmen der Apothekerausbildung, insofern kommt der Evaluation eine besondere Bedeutung zu. Es gibt sowohl einen Evaluationsbogen für ausbildende Apotheker (Anlage 3.1) als auch einen Evaluationsbogen für PhiP (Anlage 3.2). Die Rückmeldungen werden an die zuständige Apothekerkammer erbeten und dienen dazu, den Leitfaden stetig zu verbessern.

Inhalte

Ausbildungswochen

Rechtsformen von Apotheken
Berufsbilder der Mitarbeiter
Berufsordnung der Apothekerkammer
Arbeitspläne inkl. Dienstbereitschaft
Arbeitsrecht
Sozialrecht
Betriebsräume gemäß Apothekenbetriebsordnung
Frei- und Sichtwahl (Ordnungsprinzip)
Schaufenster
Notdiensteinrichtungen
Rezeptsammelstelle
Versandhandel
Großhandel
Krankenhausversorgung
Hygienemanagement

ab Woche 1

Warenlager und Sortimentsstruktur
Lieferanten
Retourenregelung
EDV-System
Ladenhüterkontrollen
Stichtags-Inventur und permanente Inventur
Bearbeitung von Rückrufen
Preisbildung und Preisauszeichnung
Quarantäne ungeprüfter Ausgangsstoffe

ab Woche 2

Bezug und Dokumentation von Betäubungsmitteln und Betäubungsmittelverschreibungsverordnung, Retournierung, Vernichtung
Rezeptabrechnung
Dokumentation von Tier-Arzneimitteln, Import-Arzneimitteln, Blutprodukten
Prüfung von Fertigarzneimitteln
Meldung von unerwünschten Nebenwirkungen bzw. Qualitätsmängeln

ab Woche 3

Prüfung von Ausgangsstoffen und Drogen inkl. Dokumentation
Gefahrstoffrecht, Kennzeichnung der Standgefäße,
Gefährdungsbeurteilung
Arzneimittelherstellung: Fachsprache, Rezeptur und Defektur,
Prüfung auf Plausibilität/Inkompatibilitäten
Standardzulassungen, NRF-Vorschriften
Dokumentation, Taxieren, Kennzeichnung

ab Woche 4

Theoretische Einführung in die HV-Tätigkeit:

  • Umgangsformen und Kundenphilosophie

  • Bestellungen

  • Rezeptformulare, Gültigkeit von ärztlichen Verordnungen, Verschreibungsverordnung

  • Zuzahlungen, Arzneimittellieferverträge, Importquote, aut idem, Rabattverträge

  • Abgabe von Hilfsmitteln

  • Informations- und Beratungspflicht: Dosierung, Anwendung, unerwünschte Wirkungen, Missbrauch

  • Kassenprogramm

ab Woche 6

Zusammenstellung von Rezepten für Boten und für Rezeptsammelstellen,
Versorgung eines Altenheimes (evtl. mit Stationsbegehung)
Empfehlungen in der Selbstmedikation entsprechend der Sichtwahl einüben

ab Woche 8

Abgabe im HV inkl. Beratung wichtiger Patientengruppenm(Asthmatiker, Diabetiker, Hypertoniker, Rheumatiker)
ABDA-Datenbank und Bewertung von Interaktionen
Erklärungsbedürftige Arzneiformen

ab Woche 9

Abgabe von Gefahrstoffen inkl. Chemikalienverbotsverordnung und Grundstoffüberwachungsgesetz

ab Woche 14

Verleih und Abgabe von Produkten gem. § 25 Apothekenbetriebsordnung
Verbandstoffe

ab Woche 16

physiologisch-chemische Untersuchungen
Bewertung von Nahrungsergänzungsmitteln
Reise- und Impfberatung

ab Woche 18

Begleitende Unterrichtsveranstaltungen
Unterbrechung (15 Tage)

2 Wochen / Halbjahr
2,5 Wochen

Die begleitenden Unterrichtsveranstaltungen finden im Kammerbereich Nordrhein in zwei 14-tägigen Unterrichtsblöcken statt:

  • im Frühjahr (Februar/März) an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf,

  • im Herbst (August/September) im Pharmazeutischen Institut der Rheinischen-Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn.

Die Inhalte des Blockunterrichts sind wie auch die der praktischen Ausbildung in der Approbationsordnung aufgeführt. In Anlage 15 wird der Prüfungsstoff für den Dritten Abschnitt der Pharmazeutischen Prüfung beschrieben.

Die Apothekerkammer Nordrhein organisiert die begleitenden Unterrichtsveranstaltungen, die alle Pharmazeuten im Praktikum vor ihrer Zulassung zum 3. Prüfungsabschnitt absolvieren müssen.

Der praxisbegleitende Unterricht im Frühjahr 2022 (Block B)

findet wegen der Corona-Pandemie in der Zeit vom

Montag, 7. März 2022 bis Freitag 18. März 2022 (MO bis FR)

nur online statt.

Die erforderlichen Unterlagen erhalten Sie ca. 14 Tage vor Veranstaltungsbeginn.

Wichtig: Anmeldefrist beachten!

Pharmazeuten im Praktikum oder Apotheker mit einer Berufserlaubnis unter Aufsicht können sich verbindlich bis zum 25. Februar 2022 mit diesem Kontaktformular online anmelden.

Anmeldungen die die Apothekerkammer Nordrhein nach dieser Frist erreichen, können leider nicht mehr berücksichtigt werden.

Im Herbst findet der praxisbegleitende Unterricht Block A statt. Ein Termin liegt uns zur Zeit noch nicht vor.

Die Anmeldebestätigung mit Link in den Skriptenserver und zugehörigem Passwort für die Skripten zu den begleitenden Unterrichtsveranstaltungen erhalten die Pharmazeuten im Praktikum ca. 14 Tage vor Veranstaltungsbeginn.

Sprechen Sie mit Ihrer Pharmazeutin im Praktikum oder Ihrem Pharmazeuten im Praktikum über die Veranstaltung. Das Diskutieren über einzelne Inhalte erleichtert die Prüfungsvorbereitung für das Dritte Staatsexamen und auch Sie und Ihr Team haben die Möglichkeit, Neues zu erfahren oder sich über im Apothekenalltag seltener auftretende Probleme auszutauschen.

Bei allen Fragen zum dritten Prüfungsabschnitt, insbesondere zu Anmeldung, Prüfungsterminen, Unterbrechungen des Praktikums, Anerkennung spezieller Praktikumsplätze, Möglichkeiten bestimmte Unterlagen nachzureichen und anderes mehr, ist das zuständige Landesprüfungsamt in NRW zu kontaktieren. Zum Dritten Staatsexamen lässt, wie auch zu den beiden vorherigen Examina, das Landesprüfungsamt zu.

Merkblatt "Regelapprobation" (Approbation als Apotheker* in mit einem Abschluss im Regierungsbezirk Düsseldorf)

Merkblatt "Abschluss der Pharmazeutischen Ausbildung innerhalb der EU"

Merkblatt "Abschluss der Pharmazeutischen Ausbildung außerhalb der EU"

Die Approbation wird bei der

Bezirksregierung Düsseldorf
Dezernat 24
Am Bonneshof 35
40474 Düsseldorf

beantragt. Dem formlosen, persönlichen und unterschriebenen Antrag mit Angabe von Name und Anschrift sind folgende Unterlagen beizufügen:

  • kurz gefasster, unterschriebener Lebenslauf

  • Geburtsurkunde, bei Verheirateten auch die Heiratsurkunde (beglaubigte Fotokopie)

  • Nachweis der Staatsangehörigkeit (beglaubigte Fotokopie der entsprechenden Seite des Reisepasses oder des Personalausweises ggf. mit dem Vermerk "dient nur zur Vorlage bei der Bezirksregierung"); evtl. zusätzlich amtlich beglaubigte Fotokopie der Einbürgerungsurkunde

  • amtliches Führungszeugnis der Belegart "0", das nicht früher als einen Monat vor der Vorlage ausgestellt sein darf

  • folgende schriftliche Erklärung mit Datum und Unterschrift:
    "Gegen mich, __NAME__, ist kein gerichtliches Strafverfahren, staatsanwaltschaftliches Ermittlungsverfahren oder Berufsgerichtsverfahren anhängig."
    ärztliche Bescheinigung mit Datum und Arztstempel, wonach "Herr/Frau nicht in gesundheitlicher Hinsicht zur Ausübung des Berufs als Apotheker(in) ungeeignet ist"
    (nicht früher als einen Monat vor Antragstellung datiert und nicht von einem Arzt ausgestellt, der mit dem Antragsteller verwandt ist)

  • beglaubigte Fotokopie des Zeugnisses über die bestandene Pharmazeutische Prüfung des Dritten Prüfungsabschnittes

  • evtl. beglaubigte Fotokopie der Urkunde über die Verleihung des Doktorgrades einer deutschen Universität.

Die Approbationsurkunde wird nach der Ausstellung durch die Bezirksregierung per Nachnahme versendet und kostet derzeit 130,00 Euro, sofern alle entscheidungserheblichen Unterlagen vorgelegt wurden und keine Rechts- und Sachfragen zu klären sind; in den übrigen Fällen zwischen 130,00 bis 500,00 Euro.

Während des Pharmaziepraktikums können die angehenden Kollegen Mitglieder der Apothekerkammer Nordrhein werden. Nähere Auskünfte dazu erteilt Herr Cornelis Kralt (Tel.: 0211 83 88 - 172 oder c.kralt@aknr.de).

An den kostenpflichtigen Fortbildungsveranstaltungen der Apothekerkammer Nordrhein (Fortbildungskalender) können Interessierte, die sich zum Zeitpunkt der Anmeldung im Pharmaziepraktikum befinden, für den halben Preis teilnehmen.

Wer Mitglied in der Apothekerkammer Nordrhein ist, kann zugleich auch Mitglied des Versorgungswerkes der Apothekerkammer Nordrhein werden. Nähere Informationen dazu erhalten Sie unter www.vanr.de.

Links

Zum Leitfaden der Bundesapothekerkammer für die Praktische Ausbildung von Pharmazeuten im Praktikum in der Apotheke