Nordrhein: Streben nach mehr Stabilität in einer unruhigen Zeit: Kammerversammlung fordert verlässliche Rahmenbedingungen
Kammerversmmlung am 16.06.2021 in Neuss unter den Bedingungen der Corona-Pandemie (AKNR/Wichert)

Nordrhein: Streben nach mehr Stabilität in einer unruhigen Zeit: Kammerversammlung fordert verlässliche Rahmenbedingungen

Kategorien: Pressemeldungen


Apothekerinnen, Apotheker und PTA leisten in der Pandemie wichtigen Beitrag

Düsseldorf, 17.06.2021. Hü und hott in vielen Bereichen: Noch während die über 70 Delegierten bei der fünften Sitzung der XVII. Kammerversammlung tagten, ließ Bundesgesundheitsminister Spahn die Presse wissen, dass er die Vergütung fürs Ausstellen des digitalen Impfzertifikats deutlich senken will. Ähnliches war auch bei der Versorgung vulnerabler Gruppen mit FFP2-Masken geschehen und ist für die Durchführung der Bürgertests angedacht. „Seit vorgestern haben die Apotheken in Deutschland Millionen von Zertifikaten ausgestellt. Jetzt sollen wieder einmal mitten im Spiel die Regeln geändert werden“, stellte Kammerpräsident Dr. Armin Hoffmann verärgert fest. „Das kann so nicht weitergehen. Wir brauchen verlässliche Rahmenbedingungen – vor allem mit Blick auf die Leistungsfähigkeit und Bereitschaft des Berufsstandes.“


In weniger als einer Woche haben die Vor-Ort-Apotheken die Ausstellung der Zertifikate möglich gemacht. „Seit dem ersten Tag der Pandemie sind Apothekerinnen, Apotheker und PTA die ersten Ansprechpartner für die Patientinnen und Patienten“, so Dr. Armin Hoffmann. „Wenn Politiker in Brüssel, Berlin oder Düsseldorf dieser erstklassigen Arbeit nicht adäquate Wertschätzung entgegenbringen, dann werden wir mit der Politik in regen Austausch treten – das haben wir immer so getan und das werden wir auch weiterhin tun.“


Neben den von außen kommenden Einflüssen verlief die fünfte Sitzung der XVII. Kammerversamm-lung der Apothekerkammer Nordrhein (AKNR) recht harmonisch. Über 70 Delegierte hatten sich in einem mehr als 1.400 Quadratmeter großen Saal eines Hotels in Neuss getroffen, um mehr als 20 Tagesordnungspunkte zu erörtern.


Die Pandemie sowie deren Bewältigung, zu der Apothekerinnen, Apotheker und ihre Teams (PTA und PKA) nicht nur in den Impfzentren einen wichtigen Beitrag leisten, bestimmen weiter die aktuelle Lage. Die Herstellung von Desinfektionsmitteln war gerade zu Beginn der Pandemie eine wichtige Aufgabe, die von der Apotheke vor Ort schnell und unkompliziert erledigt wurde. „Die Kolleginnen und Kollegen dort sind erste Ansprechpartner in der Pandemie und rund um die Uhr für die Patientinnen und Patienten da“, so Dr. Hoffmann. „Wir hoffen, dass man sich nach der Krise an diese Leistungsbereitschaft erinnern und Lehren daraus bei neuen Gesetzen und Verordnungen ziehen wird. Das werden wir einfordern. Denn gerade bei der Impfpriorisierung sei die Leistungsfähigkeit nicht angemessen berücksichtigt worden. Da haben wir interveniert und sind auch auf offene Ohren gestoßen.“


In seinem Bericht blickte Kammerpräsident Dr. Armin Hoffmann auf die weiteren vielfältigen Auf-gaben der Apothekerschaft und ihren Teams zurück: FFP2-Masken, Bürgertests, die Rekonstitution der Corona-Impfstoffe in den Impfzentren, die Versorgung der Ärzte mit Impfstoffen und jetzt die Ausstellung der digitalen Impfzertifikate – immer mehr Zusatzaufgaben kommen hinzu, während die eigentliche hoheitliche Aufgabe der Apotheke vor Ort, die Versorgung der Bevölkerung mit qualitativ hochwertigen Arzneimitteln, noch immer vollumfänglich erledigt wird. „Keine Apotheke ging pandemiebedingt vom Netz – darauf sind wir stolz“, so Dr. Armin Hoffmann.


Die Geschäftsstelle der Kammer habe bei der Koordination von mehr als 50.000 Schichten des Pharmazeutischen Personals in den Impfzentren des Rheinlands hervorragende Arbeit geleistet. Der Austausch mit dem Landesgesundheitsministerium sei zu jeder Zeit professionell gelaufen und auch die Abstimmungsprozesse mit Apothekerverband Nordrhein sowie der Schwesterkammer in Münster für den Landesteil Westfalen-Lippe seien viel wert: „Zusammen haben wir hier viel erreicht, wenn man allein auf die Informationsflut schaut. Jede Woche gehen mehrere gemeinsame Rundschreiben raus, um über die neuen landes- oder bundesweiten Regelungen zu informieren.“


Über 10 Mio. Impfdosen wurden in den NRW-Impfzentren bisher verimpft, mehr als 11.000 Freiwillige hatten sich landesweit für die Aufbereitung der Impfstoffe gemeldet. Die Schulungen der Apotheker-kammern wurden rege besucht, „hier muss man herausstellen, wie leistungsfähig die digitale Technik ist. Webinare haben uns hier das Leben sehr erleichtert. In kurzer Zeit wurden tausende Kolleginnen und Kollegen geschult und rund 50 Prozent der Freiwilligen wurden bereits in den 53 Impfzentren des Landes eingesetzt.“


Gegen Mittag stattete die Präsidentin der ABDA und der Apothekerkammer Westfalen-Lippe, Gabriele Regina Overwiening, der Kammerversammlung einen digitalen Kurzbesuch ab – und überbrachte ein Grußwort per Videokonferenz-Software. Weil die Delegierten aus den anderen Landesteilen zeitgleich digital tagten, richtete auch Dr. Hoffmann eine Grußbotschaft an die Kollegen dort. Beide hoben das gute Miteinander beider Kammern hervor – sei es wie in diesem Fall in der Kammerversammlung oder auch in der täglichen Zusammenarbeit, beispielsweise im Rahmen gemeinsamer IT-Projekte, der koordinierten Zusammenarbeit bei den Impfzentren oder bei der gemeinsamen Ansprache der Politik.


Die Wahlen von Delegierten, unter anderem zum Deutschen Apothekertag und zu stellvertretenden Mitgliedern des Vorstands sowie diverser Ausschüsse, wurden größtenteils einstimmig durchgeführt. Auch der Jahresabschluss – mit Berichten zu Vermögensstand, Rücklagen und Haushaltsplan – wurde einstimmig gebilligt. Der Vorstand der Apothekerkammer Nordrhein wurde ebenfalls ohne Gegenstimme entlastet.


Ähnliche Zustimmung erfuhr auch die Berichterstattung zum Jahresabschluss des Versorgungswerkes der Apothekerkammer Nordrhein (VANR). In einer Welt ohne Zinsen investiert das Versorgungswerk weiter in Aktien und Immobilien. Trotz der schwierigen Lage auf dem Kapitalmarkt hat das VANR durch aktives Handeln eine Gesamt-Bruttorendite von 3,7 Prozent (netto: 3,5 Prozent) erzielt. 8.220 aktive Mitglieder zählt die Altersvorsorgeeinrichtung der Apothekerinnen und Apotheker im Rheinland, 130 mehr als im Vorjahr.


Angeregt wurde die neue Vergütungs- und Kostenerstattungsregelung des VANR diskutiert. Die Bezüge von Ehrenamtlichen sollen auf die stark gestiegene zeitliche Beanspruchung angepasst und damit einen Ausgleich für die so zwingend entstehenden Verdienstausfälle ermöglicht werden. Den ehrenamtlich tätigen Mitgliedern der Gremien des VANR sollen in den kommenden Jahren jüngere Mitglieder folgen. Dieser Generationenwechsel sei – so der Antrag des VANR – nur durch eine angemessene Entschädigung der Verdienstausfälle erfolgreich möglich. Eine stufenweise Erhöhung soll Anreize für eine ehrenamtliche Tätigkeit in den Organen bieten. Nach längerer Diskussion stimmte die Mehrheit der Kammerversammlungsmitglieder für die Anpassung.


Die sechste Sitzung der XVII. Kammerversammlung der Apothekerkammer Nordrhein ist für den 17. November 2021 vorgesehen. „Wir hoffen, dass wir auch dann wieder in Präsenz tagen können. Denn dieser berufspolitische Austausch ist wichtig“, erklärte Kammerpräsident Dr. Armin Hoff-mann abschließend.
 

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