Neujahrsempfang der Apothekerkammer Nordrhein am 13. Januar 2020

Neujahrsempfang der Apothekerkammer Nordrhein am 13. Januar 2020

Kategorien: Pressemeldungen

Gemeinsam mit 200 Repräsentanten des Gesundheitssystems aus NRW sowie
aus anderen Bundesländern läutete die Apothekerkammer Nordrhein (AKNR)
am 13. Januar das neue Kammerjahr mit ihrem traditionellen Neujahrsempfang
in Düsseldorf ein. „Das beweist uns und mir, dass wir uns im Sinne unseres
Gesundheitssystems sehr gerne zusammentun, um etwas zu bewegen. Und
das ist heute wohl notwendiger als jemals zuvor“, sagte AKNR-Präsident Dr.
Armin Hoffmann mit Blick in das volle Maxhaus. Sich zusammentun, zusammen-
rücken – auf diese Wortspiele griff der Kammerpräsident in seiner Begrüßungsrede
immer wieder zurück. Denn nur so funktioniere auch eine hervorragende
Versorgung von Patienten – indem alle, die sich tagtäglich für die Gesundheit
der Menschen in unserem Land engagieren, zusammenstehen. Wäre
da nicht die Bürokratie, „die uns im Gesundheitswesen das Leben mehr als
schwierig macht...“, wurde Hoffmann deutlich. Als Stich- oder besser gesagt als
Reizworte aus dem Alltag der Apotheken nannte er in diesem Zusammenhang
Lieferengpässe, Retaxationen und securPharm.

„Zusammenrücken heißt für mich übrigens keinen Platz wegnehmen, sondern
seinen Platz finden“, erläuterte Hoffmann. Und so war es gewiss kein Zufall,
dass Rudolf Henke, Präsident der Ärztekammer Nordrhein, beim Neujahrsempfang
als Gastredner dabei war. „Dass Sie, lieber Herr Henke, heute unser Gastredner
sind, ist für mich das beste Zeichen für dieses Zusammenrücken“, sagte
Hoffmann.

Wie wichtig die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Apothekern
ist, verdeutlichte Hoffmann mit konkreten Beispielen. Zum einen erwähnte er die
Initiative CIRS-NRW, es ist ein Lern- und Berichtssystem für kritische Ereignisse
in der Patientenversorgung. Durch den Beitritt der AKNR zu diesem wichtigen
Netzwerk im vergangenen Jahr würde die Apothekerschaft ihre „pharmazeuti-
sche Expertise zum weiteren Ausbau einer konstruktiven Risiko- und Sicherheits-
kultur“ einbringen. Zum anderen gelte dies auch für das von der AKNR entwickelte
ATHINA-Projekt zur Arzneimitteltherapie-Sicherheit in den Apotheken, welches
inzwischen auch elf weitere Kammern umsetzen. Ferner belege auch die vor wenigen
Monaten publizierte PHARM-CHF-Studie („Pharmacybased interdisciplinary Program
for Patients with Chronic Heart Failure“), wie bedeutend eine kontinuierliche und
interdisziplinäre Intervention für Patienten mit Herzinsuffizienz sei. Mit Blick auf die
Ergebnisse dieser Studie „befürwortet auch die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie
eine Zusammenarbeit zwischen Arztpraxen und Apotheken, wie sie in der Studie
erprobt wurde“, erläuterte Hoffmann.

Der Schlüssel zum Erfolg

Nicht nur die Bürokratie, vielmehr auch die Kommerzialisierung, Ökonomisierung
und Industrialisierung seien „erhebliche Bedrohungen für unsere freien Heilberufe
und für unsere unabhängigen Apotheken und Praxen“, kritisierte Hoffmann. Auch
hier müssten Ärzte und Apotheken daher stets eng zusammenstehen und schauen,
wer für welche Aufgabe besser geeignet ist; schauen, welche Berufsgruppe hier ihre
besondere Kompetenz einbringen kann. „Apotheker, Ärzte, Zahnärzte, Psychothera-
peuten sind Profis, haben schon so viele Spiele erfolgreich bestritten und für die
Gesundheit der Menschen erfolgreich gekämpft. Zur rechten Zeit abspielen, den
besser postierten Mitspieler finden, sich gemeinsam bis zum Torerfolg kombinieren,
das ist der Schlüssel zum Erfolg unseres frei- und heilberuflichen Teams“, so Hoffmann.

Eine Regeländerung

Aber: „Da war doch noch was: Ja richtig, das Impfen.“ Mit diesem einen Satz
sorgte Hoffmann erneut für Spannung im Maxhaus. Ja, Impfen sei das Beste, was
je für die Gesundheit entwickelt wurde, erklärte der Präsident vorab, um Missver-
ständnisse zu vermeiden. Darum hätten sich die beiden Kammern, die AKNR
und die Ärztekammer Nordrhein, im Mai 2019 mit einem gemeinsamen Impfappell
an die Bevölkerung im Rheinland gewandt. Doch nun sei eine „Regeländerung
eingetreten, nach der wir nicht gerufen haben, die aber der oberste Regelhüter
beschlossen hat und die uns in die Pflicht nimmt“, sagte Hoffmann in Anspielung
auf das im Dezember vom Bundestag beschlossene Modellvorhaben zu Grippe-
schutzimpfungen in den Apotheken. „Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir das hin-
kriegen, sehr geehrter Herr Henke“, sagte Hoffmann in Richtung des Präsidenten
der Ärztekammer Nordrhein.

Inakzeptabel und unzumutbar

Ähnlich wie sein Vorgänger Lutz Engelen das EuGH-Urteil aus dem Jahr 2016 auf
den Neujahrsempfängen andauernd scharf kritisierte, so fand auch Hoffmann
für dieses „einsame“ Urteil deutliche Worte: Es sei „unverständlich, inakzeptabel
und unzumutbar“. „Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will die Vor-Ort-
Apotheken stärken, so zumindest der Titel seines Gesetzentwurfs. Aber mit der
Aufgabe des einheitlichen Arzneimittelpreises gefährdet er eine tragende Säule
des deutschen solidarischen Krankenversicherungssystems, er zerstört die
Arzneimittelpreisbindung“, beanstandete der AKNR-Präsident.

Rudolf Henke betonte in seinem Gastbeitrag ebenso wie Hoffmann immer wieder,
wie unabdingbar heutzutage eine enge Zusammenarbeit zwischen Apothekern
und Ärzten sei.

Ein aktuelles Beispiel aus der Praxis seien die Lieferengpässe von Arzneimitteln.
„Um die Patienten in solchen Fällen bestmöglich und individuell zu versorgen,
brauchen wir enge Absprachen zwischen dem behandelnden Arzt und dem
Apothekerteam“, bekräftigte Henke. Außerdem wies er auf die Vorzüge einer
„sinnvollen Arbeitsteilung“ hin, die sich schon seit Langem bewähre: „Jeder sollte
das machen, was er am besten kann. Und wir in der Ärztekammer Nordrhein sind
unverändert davon überzeugt, dass wir Impfen in Apotheken genauso wenig
brauchen wie etwa ein Dispensierrecht für uns Ärzte“, so der Präsident der
nordrheinischen Ärztekammer.

„A-Team – Für die Patienten“

Um die Bedeutung der interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen Arzt und
Apotheker auch bildlich zu verdeutlichen, übergab Hoffmann dem Präsidenten
seiner Schwesterkammer anschließend ein Trikot mit der Aufschrift „A-Team –
Für die Patienten“. Schließlich sei die interdisziplinäre Weiterentwicklung des
Gesundheitssystems ihm und der Vizepräsidentin Kathrin Hollingshaus ein
wesentliches Anliegen. Aber nicht nur das: „Wir haben im Jahr 2020 noch sehr viel
vor“, sagte Hoffmann. Unter anderem möchte die neue Führungsspitze an einer
zukunftsorientierten Weiterentwicklung der inhabergeführten Apothekenwelt,
der Erneuerung des Berufsbildes für Apotheker sowie an der Nachwuchsgewinnung
arbeiten.

Rede Präsident Dr. Armin Hoffmann anlässlich des Neujahrsempfangs der
Apothekerkammer Nordrhein, Maxhaus, 13. Januar 2020

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